Freie Wähler Rauenberg

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Natur, Kultur und Wein, 3. Oktober 2016

Frei Wähler aktiv

Natur, Kultur und Wein mit den Freien Wählern

Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, veranstalteten die Freien Wähler Rauenberg e.V. ihre schon traditionelle Wanderung „Natur, Kultur und Wein", zu der alle interessierten Mitbürger eingeladen waren. Trotz des eher durchwachsenen und kühlen Herbstwetters mit Schauern trafen sich über dreißig Interessierte beim Weingut Ihle zum Abmarsch. Vielleicht war es auch in diesem Jahr wieder das interessante Programm, u.A. der geplante Besuch der Ausgrabungsstätte Grube Unterfeld, das die Teilnehmer anlockte.
Die paläontologische Ausgrabung war dann auch die erste Station der Wanderung. Sie ist normalerweise für Besucher gesperrt, um die dort durchgeführte wissenschaftliche Arbeit nicht zu gefährden. Die Gruppe wurde dieses Mal aber schon von der Diplom-Geologin Kristina Eck vom Museum für Geowissenschaften der Universität Heidelberg erwartet. Nach einer kurzen Erläuterung der Verhaltensmaßregeln und Sicherheitshinweise zum Betreten der Grube ging es dann hinab zum Ort des Geschehens.
Obwohl die Geschichte der Grube und ihrer Erhaltung an Dramatik kaum zu überbieten ist und dort einige nicht nur für die Fachwelt sensationelle Entdeckungen gemacht wurden, ist vielen Menschen nicht wirklich bekannt, was dort geschieht und getan wird.
Nachdem zunächst von Hobby-Paläontologen die Bedeutung der Grube erkannt wurde, drohte ihr dennoch die vertraglich vereinbarte Verfüllung durch den Betreiber. Diese konnte nach Notgrabungen durch das Natukundemuseum Karlsruhe und den Erwerb durch die Stadt Rauenberg in letzter Minute verhindert werden. Für die Wissenschaft blieb damit das „letzte Fenster ins Oligozän" vor 32 Millionen Jahren in Deutschland erhalten.
Neben Großfunden wie dem Fossil einer kompletten Seekuh, wurden auch Entdeckungen gemacht, die nicht nur spektakulär, sondern auch wissenschaftlich bedeutsam sind. So wurden hier die ersten Fossilien von Kolibris in der Alten Welt nachgewiesen. Dabei handelt es sich ganz nebenbei auch um die mit weitem Abstand ältesten Fossilien dieser Tiergruppe. Beide Tatsachen haben das Wissen um die Evolution dieser Vögel komplett revolutioniert.
Momentaner Forschungsschwerpunkt ist die Ökologie des oligozänen Biotops. Die am häufigsten gefunden Überreste stammen von Fischen – Heringen, Schnepfenmesserfischen, Makrelenartigen, Trompetenfischen, Schiffshalter, aber z.B. auch Haie. Daneben konnten auch Landtiere wie Fledermäuse und ein frühes Raubtier nachgewiesen werden. Bei Letzterem wurde Rauenberg sogar im wissenschaftlichen Namen verewigt, „Apterodon rauenbergensis" .Anhand dieser Funde kann heute gesagt werden, dass es sich um eine tropische Bucht mit Süßwasserzufluss handelte. Wahrscheinlich herrschte hier nur eine geringe Wassertiefe von „Wattiefe" bis 30 Metern.
Nachdem sich die Gruppe nur schwer von dieser hochinteressanten Sehenswürdigkeit und der sehr fundiert berichtenden Referentin trennen konnte, ging es weiter in Richtung Gänsberg. Nächste Station war das „Schwarze Kreuz". Dr. Dieter Wagner präsentierte das Wissen um dieses Feldkreuz aus dem Jahr 1763 und prüfte dabei, was die Rauenberger über diese und andere Sehenswürdigkeiten Ihrer Heimat wussten.
Gestiftet von Jakob Weiskapp und seiner Frau Eva Catharina, ersetzte das Kreuz ein älteres Holzkreuz an diese Stelle und diente, wie auch sein Vorgänger, als Station bei den Flurprozessionen am Tag der Kreuzfindung, dem 3. Mai, und am Hagelfeiertag am 26. Juni. Es wurde jeweils hier Station gemacht und ein Evangelium gesungen. Mit einer Höhe von 4,15 m wird es als Hochkreuz klassifiziert und diente den Bauern auch als Wegmarke. Gearbeitet aus einem dunkleren Sandstein wurde es das „Schwarze Kreuz" genannt, im Gegensatz zum „Weißen Kreuz" aus hellerem Sandstein.
Weiter ging die Wanderung zur nächsten Station, einem Sühnekreuz unterhalb des Gänsbergs, bereits auf Frauenweiler Gemarkung. Sühnekreuze dienten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert dazu, schwere Verbrechen wie Mord durch den Täter zu sühnen. Dieser hatte drei Dinge zu erfüllen: Schadenersatz an die Familie des Geschädigten, meist in Naturalien, z.B. Wein. Kirchliche Buße zu tun. Im Fall des Frauenweiler Sühnekreuzes geht aus einer erhaltenen Urkunde hervor, dass eine Messe mit zwei Priestern gelesen werden musste. Und schließlich der Errichtung eines Sühnekreuzes, bei dem Vorbeikommende für das Seelenheil des Ermordeten, der ja keine Sterbesakramente erhalten hatte, zu beten.
Schließlich erfuhr man beim Gedenkstein beim Aussiedlerhof Messmer viel über die Geschichte des historischen Frauenweiler, das an eben dieser Stelle unterhalb des Gänsbergs lag. Es handelte sich um einen kleinen Weiler aus wenigen Höfen und einer der Gottesmutter gewidmeten Kirche, die dem Weiler auch seinen Namen gab. DieseKirche entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einem Wallfahrtsziel mit entsprechend hohem Besucheraufkommen und allen Begleiterscheinungen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch das Geschehen, das zur Errichtung des Sühnekreuzes führte, in diesem Zusammenhang zu sehen ist. Jedenfalls war der Umtrieb in Frauenweiler den Wieslochern ein Dorn im Auge und so erwirkten sie 1526 eine kurfürstliche Anordnung, den Ort aufzulösen. Leider sind im 20. Jahrhundert viele Überreste dieser Siedliung durch den Tonabbau im „Bottloch" und den Bau des Aussiedlerhofes verloren gegangen und nur wenige Fundstücke, so auch die Fundamentreste, die nun den Gedenkstein bilden, sind erhalten geblieben.
Auf dem Rückweg gab es von Franz Sieber einen Exkurs über die Funktion der Streuobstwiesen für die Artenvielfalt und seltene alte Obst- und Baumarten. Am Weg „Höfe am Sträßel" findet sich so noch ein Exemplar des Speierlings, von nur noch etwa vier oder fünf auf Rauenberger Gemarkung. Deutschlandweit gibt es wohl nur noch weniger als 3000 Exemplare, die Hälfte davon in Baden-Württemberg.  Seine Früchte sind frisch gegessen kaum genießbar, daher auch der Name. Sie können aber zu wunderbarem „Mus" und Marmelade verarbeitet werden. In unserer Gegend wurden sie aufgrund des hohen Tannin-Gehaltes zum Klären von Most und Wein und zum Puffern der Säure in diesen Getränken verwendet.
Für das nächste Jahr wurde vom Vorsitzenden Stephan Hakala bereits in Aussicht gestellt, dass die Wanderung wieder stattfindet, dann mit anderen Sehenswürdigkeiten und Themen. Nach einem herzlichen Dank an die Referenten wurde dieser interessante Tag im Weingut Ihle gemütlich beschlossen.

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