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Natur, Kultur und Wein 2026 - Freie Wähler Rauenberg e.V.

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Natur, Kultur und Wein 2026

Freie Wähler aktiv
Wanderung in die Vorzeit von Rauenberg
 
Am Samstag, 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit, führten die Freien Wähler Rauenberg ihre traditionelle Wanderung „Natur, Kultur und Wein“ durch. Sie stand diese Mal unter dem Motto „Besuch in der Vorzeit von Rauenberg“.
Der Vorsitzende Stephan Hakala konnte über 50 Mitwanderer begrüßen. Unter Leitung der Experten des Tages, Franz Sieber und Martin Steidel startete die Wanderung vom Friedhofsparkplatz in Rauenberg in Richtung der Felder zu den dortigen Streuobstwiesen. Einige davon werden vom Verein für Naturschutz gepflegt. Franz Sieber erläuterte die Bedeutung für die Artenvielfalt und den ökologischen Wert dieser Habitate. Auch dass dort abgestorbene Bäume als Hotels für Insekten, Fledermäuse und Vögel stehenbleiben und keineswegs ein Zeichen für Vernachlässigung sind hob er hervor.
Weiter ging der Weg über das Gewann „Wachent“ in Richtung Autobahn, wo auf den ehemaligen „Kurbrunnen“ hingewiesen wurde, dessen Schwefelwasser noch bis in die dreißiger Jahre für Trinkkuren verwendet wurde. Nachdem Bergbaumaßnahmen auf dem benachbarten Gänsberg dem Brunnen regelrecht das Wasser abgegraben hatten, wurde er in den sechziger Jahren durch die Stadt Wiesloch zugeschüttet.
Nächste Station war das „Schwarze Kreuz“ von 1763. Es ist eines der Feldkreuze, von denen sich auf Rauenberger Gemarkung noch eine ganze Anzahl findet. Sie sind Zeugnisse der Volksfrömmigkeit vergangener Jahrhunderte.
Schließlich erreichte man die Tongrube Unterfeld und damit den Ort, an dem man in die „Vorzeit von Rauenberg“ eintauchen konnte. Martin Steidel hatte sich im Vorfeld mit diesem Thema beschäftigt und lieferte den Teilnehmenden eine ganze Fülle von Informationen.
Die Tongrube wurde ab 1973 von der örtlichen Ziegelindustrie genutzt. In den achtziger Jahren entdeckten engagierte Hobby-Paläontologen die Möglichkeit dort Fossilien zu bergen. In den folgenden Jahren wurde dies unter Duldung der Ziegelei auch genutzt. Die Schichten, die hier aufgeschlossen sind, stammen aus dem Zeitalter des Oligozäns, genauer dem Rupelium, vor ungefähr 32 Millionen Jahren. Das entspricht etwa der „Halbzeit“ auf dem Weg vom Aussterben der Dinosaurier bis heute. Zwischen Wiesloch, Rot und Malschenberg gibt es zwar noch etliche weitere Tongruben, diese sind aber für die Wissenschaft nicht mehr zugänglich, da entweder verfüllt oder geflutet. Lediglich die Grube Unterfeld stellt noch ein Fenster in dieses Zeitalter dar.
Die geborgenen Fossilien gingen in der Folge auch an verschiedene Museen. Engagiert waren hier vor allem die staatlichen Naturkundemuseen Karlsruhe und Stuttgart, das hessische Landesmuseum Darmstadt und das Senckenbergmuseum in Frankfurt. Dort wurde bald festgestellt, dass zum Teil spektakuläre Exemplare ausgegraben wurden, darunter das Skelett einer Seekuh. Haie, Seekühe, Heringsfische, Vögel, Insekten und Pflanzen waren zwar aus ähnlichen Aufschlüssen zum Teil schon bekannt, zum Teil waren es aber auch Funde bislang unbekannter Tiere und Pflanzen.
Dann gelang als Paukenschlag die Entdeckung des ersten Kolibris in der alten Welt und des mit Abstand ältesten Exemplars überhaupt. Bis dahin waren diese nur vom amerikanischen Kontinent bekannt. Darüber hinaus war der Rauenberger Kolibri um viele Millionen Jahr älter als alle, die jemals in Amerika gefunden wurden, was weitreichende Schlüsse auf die Evolution dieser Vögel nach sich zog.
Auch bislang unbekannte Säugetiere wie das „Urraubtier“ Apterodon rauenbergensis, das sogar nach dem Ort der Entdeckung benannt wurde, konnten hier gefunden werden. Es gelang auch der Fund des bis dahin ältesten Spechtvogels. Man kann diese Liste noch um eine Vielzahl von Entdeckungen erweitern. Es gibt zu der Grube zwischenzeitlich sehr umfangreiche Literatur, die auch Artikel in international renommierten Journalen wie Science oder der Oxford Academic Press umfasst.
Mehrere wissenschaftliche Arbeiten wurden über die Grube verfasst, zuletzt eine Dissertation an der Universität Heidelberg unter Leitung des Karlsruher Naturkundemuseums, die sich mit den Umweltbedingungen zu dieser Zeit befasst. Die für die Arbeit durchgeführte Grabung in den Jahren 2014 bis 2018 war die bislang letzte Aktivität in der Grube, obwohl nach wie vor ein hohes wissenschaftliches Interesse besteht. Aber wie es heute oft vorkommt, mangelt es an der Finanzierung. Seit dieser letzten Grabung befindet sich die Grube im Dornröschenschlaf.
Nach dem Besuch dieses Kleinods ging die Wanderung weiter entlang des Gewanns Unterfeld über die Felder zurück. Unterwegs konnten weitere Besonderheiten der Feldflur um Rauenberg gezeigt werden, die man vielleicht schon oft gesehen, aber in ihrem Zusammenhang und ihrer Bedeutung noch nicht wahrgenommen hat. Zum Beispiel gibt es einen Bestand des Speierlings, einer der seltensten Bäume Mitteleuropas. Franz Sieber erläuterte, dass dieser in früheren Zeiten als Wildobstbaum genutzt wurde, unter anderem als Zusatz in Most.
Schließlich erreichte man die St. Anna-Kapelle an der Malschenberger Straße. Dort fand der Tag bei herrlicher Aussicht auf Rheinebene und Odenwald einen gemütlichen Ausklang bei Vesper und Wein. Stephan Hakala bedankte sich bei den Experten und den Mitwanderern für ihre Teilnahme und auch bei der Gemeindeverwaltung, speziell bei der Umweltbeauftragten des Gemeindeverwaltungsverbandes, Jaqueline Geiger, die den Zugang zur Tongrube ermöglicht hatte. Auch im nächsten Jahr ist wieder eine Wanderung geplant, die sicher wieder genauso spannend wird.
 
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